Wärmemarkt: Größter Energieverbrauchssektor Europas

Ein Drittel des europäischen Endenergieverbrauchs entfällt auf die Raumwärme und die Trinkwassererwärmung. In Deutschland liegt unter Berücksichtigung der industriellen Wärme/Prozesswärme liegt der Anteil des Wärmemarktes am deutschen Endenergieverbrauch bei deutlich über 50 %.

Auf die Mobilität entfällt damit nur etwa die Hälfte des Endenergieverbrauchs und auf Strom lediglich 21 %. Dass die deutsche Energiewende in erster Linie von der Politik als Stromwende gesehen wird, vernachlässigt im Wärmebereich die mit Abstand höchsten Energieeinspar- und CO2-Minderungspotenziale aller Energieverbrauchssektoren.

Betrachtet man den Energie-Mix im größten Verbrauchssektor des Wärmemarktes, den Gebäude- und Nichtwohngebäudebereich, so dominiert Erdgas mit einem Anteil von knapp 50 %, gefolgt von Heizöl mit ca. 30 %. Der Rest entfällt auf Fernwärme, stromgeführte Systeme und erneuerbare Energien (solare Wärme, Erd- und Umweltwärme, feste Biomasse).

Im Wohn- und Nichtwohngebäudebereich liefern 20,5 Mio. Heizungsanlagen Wärme und Warmwasser. Chart 5 zeigt den Status des Anlagenbestands auf:

  • Nur etwa 29 % der in deutschen Gebäuden installierten 20,5 Mio. Wärmeerzeuger entsprechen dem Stand der Technik.
  • Nur 4,2 Mio. Brennwertkesseln stehen 8,9 Mio. deutlich weniger effiziente Gas-Heizwert- oder Standardkessel gegenüber.
  • Von den 6 Mio. in Deutschland installierten Heizölkesseln sind lediglich ca. 600.000 effiziente Brennwertkessel.
  • Ca. 600.000 Wärmepumpen nutzen Erdwärme.
  • Ca. 900.000 Biomassekessel nutzen die erneuerbare Energie Holz.
  • Nur etwa 9 % der in Deutschland installierten Wärmeerzeuger nutzen zusätzlich die erneuerbare Energie thermischer Solaranlagen.

Würden die veralteten Anlagen erneuert und auf den Stand der Technik gebraucht, könnten rund 13 % der deutschen Endenergie eingespart werden. Noch nicht berücksichtigt sind die ebenfalls hohen Potenziale von Maßnahmen an der Gebäudehülle.

Der BDH organisiert auch die Hersteller von Anlagen zur Nutzung von industrieller Wärme im Leistungsbereich von 100 kW bis 36 MW. Gemäß einer Untersuchung der dena und des BDH existieren in Deutschland ca. 300.000 Anlagen in diesem Leistungsbereich. Lediglich 50.000 dieser Anlagen befinden sich auf dem Stand der Technik. Würden sie energetisch modernisiert und auf den Stand der Technik gebracht, könnten zusätzlich 2 % der deutschen Endenergie eingespart werden. Dies entspricht einer CO2-Minderung von 18 Mio. t.

15 % der deutschen Endenergie entsprechen in etwa der Energieerzeugung der ursprünglich 17 installierten Atomkraftwerke.

Auch lässt sich dieses Einsparpotenzial in etwa mit der auf Endenergie gerechneten Erdgasimporte aus Russland vergleichen.

Modernisierungsstau behindert Wärmewende

Trotz günstiger Amortisationszeiten anlagentechnischer Maßnahmen besteht seit Jahrzehnten ein Modernisierungsstau. Die Modernisierungsgeschwindigkeit liegt bei erdgasbetriebenen Wärmeerzeugern bei etwa 3 % pro Jahr und heizölbetriebenen bei 1 % pro Jahr. Dieser Stau bzw. das niedrige Modernisierungstempo behindern bzw. verhindern die erforderliche Wärmewende in Europa und Deutschland.

 
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