Hydraulischer Abgleich spart Kosten und reduziert Emissionen
Ein Großteil der Energie, die in Deutschland verbraucht wird, geht auf das Konto von Wohngebäuden, und hier insbesondere auf das der Heizenergie. Schätzungen gehen davon aus, dass der Heizenergieverbrauch einen Anteil von rund einem Drittel am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland hat.
Eine effektive Maßnahme, Heizenergie einzusparen, ist der so genannte hydraulische Abgleich. Beim hydraulischen Abgleich geht es darum, die einzelnen Komponenten einer Heizungsanlage exakt aufeinander abzustimmen, so dass die Wärme dorthin gelangt, wo sie benötigt wird. Klingt logisch, wird aber selten durchgeführt: Die wenigsten Heizungsanlagen in Deutschland, nur etwa fünf bis 10 Prozent, sind derzeit hydraulisch abgeglichen. Unter Klimaschutzaspekten bedeutet dies, dass ein jährliches Minderungspotenzial von rund 10 bis 15 Millionen Tonnen CO2 ungenutzt bleibt.
Der Weg des geringsten Widerstands
Mit dem hydraulischen Abgleich lässt sich eine gleichmäßige Wärmeverteilung in einem Gebäude erreichen. Dabei wird die Heizungsanlage so eingestellt, dass das System aus Rohren, Pumpen und Ventilen dem zirkulierenden Wasser einen möglichst geringen Widerstand entgegensetzt. Denn das Wasser im Heizsystem nimmt am liebsten den Weg des geringsten Widerstandes, was zur Folge hat, dass Heizflächen in entfernten Räumen mitunter nicht richtig warm werden. Stärkere Umwälzpumpen müssen dies ausgleichen und das Heizungswasser in die abgelegenen Heizflächen transportieren. Der Preis dafür ist hoch: Energieverbrauch und Stromkosten schnellen in die Höhe, weil Heizungspumpen erheblich mehr Strom verbrauchen.
Außerdem kann eine nicht abgeglichene Anlage die Effektivität von Brennwertgeräten deutlich reduzieren: Wenn einige Heizflächen überversorgt sind, führt dies zu höheren Rücklauftemperaturen in der Anlage. Das Wasser aus den Abgasen der Heizungsanlage kann nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr kondensieren. Dadurch wird weniger Wärme genutzt, und die Einsparungen, die ein Brennwertgerät üblicherweise bewirkt, zunichte gemacht.
Geräusche als Indikatoren
Typische Anzeichen für einen fehlenden hydraulischen Abgleich sind beispielsweise Heizkörper, die nicht warm werden, während andere überversorgt sind. Auch Geräusche aus Ventilen und Rohren zeigen, dass der Differenzdruck im Ventil oder aber die Strömungsgeschwindigkeit zu groß ist. Zudem kann es vorkommen, dass die Heizkörperventile, auf Grund eines zu hohen Differenzdruckes, nicht bei der gewünschten Innentemperatur öffnen und schließen. Durch den hydraulischen Abgleich ergeben sich für die Bewohner mehrere Vorteile: Die Anlage kann mit optimalem Anlagendruck und einer niedrigen Volumenmenge betrieben werden. Dadurch reduzieren sich die Energie- und Betriebskosten: Eine Einsparung von bis zu 15 Prozent der Heizenergiekosten ist möglich.
EnEV, VOB & Co.
Die Energieeinsparverordnung (EnEV) verlangt, dass Handwerker im Rahmen der so genannten Unternehmererklärung schriftlich bestätigen, dass ihre Leistungen der Verordnung entsprechen, der hydraulische Abgleich also durchgeführt wurde, wenn er in das Nachweisverfahren einbezogen wurde. Auch nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) Teil C bzw. DIN 18380 sind Handwerker verpflichtet, Heizungsrohrnetze hydraulisch abzugleichen. Außerdem wird er von allen einschlägigen Förderprogrammen der KfW oder des Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) verlangt.
Heizlast berechnen, Heizleistung einstellen
Für die Durchführung eines hydraulischen Abgleichs wird zunächst die Heizlast für jeden Raum des Gebäudes berechnet und dabei Außenflächen, Wände, Decken, Fenster und Türen mit
einbezogen. Entsprechend der errechneten Heizlast wird dann die Heizfläche mit der notwendigen Heizleistung ausgewählt. Zusätzlich wird die Entfernung zur Heizungspumpe berücksichtigt. Aus all diesen Größen ergeben sich die Einstellwerte für die
einzelnen Heizflächen. Ein hydraulischer Abgleich ist dann erreicht, wenn alle parallelen Systeme jeweils den gleichen hydraulischen Widerstand besitzen.
Hilfreich für einen hydraulischen Abgleich sind voreinstellbare Thermostatventile oder Rücklaufverschraubungen an den Heizkörpern. Wichtig ist auch, dass es sich um ein 2-Rohr-System handelt, weil ein 1-Rohr-System nur eingeschränkt abgeglichen werden kann. Die Aufnahme der Daten dauert für ein Einfamilienhaus etwa eineinhalb, die Berechnung etwa vier Stunden. Das Einstellen der Heizflächen braucht dann nur etwa fünf Minuten pro Heizfläche. Die Kosten für einen hydraulischen Abgleich hängen von der Gebäudegröße ab, bei einem Einfamilienhaus geht man von 500 Euro aus, die sich jedoch sehr schnell amortisieren.








